Was findet mein Kind nur so toll an Instagram?

Teenager lieben Instagram, Eltern fehlt hierfür jedoch oft das Verständnis. Mit diesen sieben Tipps gelingt Eltern ein reflektierter Umgang mit dem beliebten Social-Media-Kanal.

Jugendliche sollten unbedingt lernen, Illusionen auf Instagram zu durchschauen und zwischen echten Schnappschüssen und aufwändig in Szene gesetzten Bildern zu unterscheiden. Hierzu gibt Kira Liebmann, Expertin im Bereich Pubertät, erprobte Tipps für überforderte Eltern.

„Eltern fehlt häufig ein grundsätzliches Verständnis dafür, dass ihre Kinder so viel Zeit mit Instagram & Co. verbringen. Als Eltern sollten wir zuallererst ein Gefühl für die Welt des Kindes bekommen. Social Media aus Unwissenheit oder Überforderung heraus zu verbieten, macht wenig Sinn. Wenn man Instagram rigoros verbietet, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich die Kinder die Bilder ungefiltert und ohne mögliche Aufklärung der Eltern auf den Smartphones ihrer Freunde ansehen.“

Für Jugendliche gehören soziale Medien zum Alltag. Hier finden sie Halt, Anerkennung, Orientierung und Gruppenzugehörigkeit. Doch lauern dort auch Probleme.  Beispielsweise erschaffen viele Nutzer mit ihren Bildern und Filmen perfekte Illusionen, die mit der Realität der Jugendlichen nichts mehr zu tun haben. Wenn die Scheinwelt unreflektiert als Realität angesehen wird, kann dies im schlimmsten Fall sogar Depressionen bei den Usern zur Folge haben.

Mit den folgenden sieben Tipps kommen sich Eltern und Teenager in punkto Instagram wieder näher:

Bevor man Instagram verbietet, sollte man sich seine eigene Meinung bilden

Viele Eltern verbieten Instagram, weil sie selber damit überfordert sind und nicht wissen, wie sie mit dieser Plattform umzugehen haben. Man sollte also zuerst das Gespräch mit dem Kind suchen. Was genau fasziniert das eigene Kind eigentlich so an Instagram? Für Eltern sollte immer der erste Schritt sein, die Welt des Kindes zu verstehen. Im lockeren Gespräch können sich Mama und Papa beispielsweise erklären lassen, wofür der Online-Dienst von dem Teenager eigentlich genutzt wird und was daran so cool ist. Stelle Fragen, lass es dir zeigen, verstehe die Zusammenhänge und die Faszination dieses Kanals.

Sensibilisiere dein Kind darin, die Fake-Welten zu erkennen

Viele Bilder und Videos auf Instagram-Profilen sind aufwändig inszeniert. Speziell hinter Profilen mit sehr vielen Followern verbergen sich häufig Sponsoren, Geschäftsmodelle und monetäre Interessen eines Managements. Hier gilt es, die Jugendlichen zu sensibilisieren. Sie sollten erkennen können, wo die Realität aufhört und wann eine Illusion erschaffen wird. Sonst können Vergleiche des eigenen Alltags oder des eigenen Selfies mit dem Glamour à la Hollywood schnell frustrieren oder gar deprimieren. Dein Kind sollte viele der bearbeiteten Instagrambilder genauso ernst und realitätsnah sehen, wie eine Daily Soap im Fernsehen. Bei GZSZ ist auch niemand deprimiert, weil man nicht in Wirklichkeit in die dortige Szenekneipe gehen kann.

Wenn die Jagd nach Anerkennung zur Tagesaufgabe wird, ist es Zeit für ein Gespräch
Jugendliche sind oft im Kreislauf von Bildern, Likes und dem nächsten Big Picture gefangen.

Viele Jugendliche erschaffen auf Instagram eine eigene Idealwelt: Sie setzen sich selbst bestmöglich in Szene und kreieren ein Wunschbild von sich selbst. Sie machen 200 Bilder, um das Beste nach langer Bearbeitung online zu stellen und sie erwarten dafür real gemeinte Bewunderung und Anerkennung. Das Dilemma bei diesen Kids ist, dass sie nur noch auf der Jagd nach dem nächsten Bild mit möglichst vielen Likes sind und fast schon gezwungen sind, ihre Inszenierung aufrecht zu erhalten.

Hier geht es vor allem darum, reale Anerkennung für ein gestelltes Bild zu erhalten.

Wenn Jugendliche sehr viel Zeit im Alltag damit verbringen, das ideale Bild zu kreieren, dann geht es hier häufig um den Punkt der Anerkennung. In diesem Fall rate ich, dass Gespräch mit deinem Kind zu suchen und es zu fragen, was genau diese Likes, Herzchen und Follower bei ihm auslösen. Welches Bedürfnis wird hier befriedigt? Wie könnte diese Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Offline-Welt aussehen? Frage dein Kind: Was bräuchtest du, um dieses Gefühl der Anerkennung in der realen Welt zu bekommen und wie kann ich dich dabei unterstützen?

Förderlichen Profilen folgen

Genau wie das Fernsehprogramm sowohl hochwertige als auch trashige Sendungen bietet, hält auch Instagram Inhalte unterschiedlicher Qualität bereit. Eltern können bei Teenagern anregen, Profilen und Themen mit Vorbild-Charakter zu folgen. So lässt sich beispielsweise Motivation, sportlicher Ehrgeiz, Kreativität oder Inspiration fördern. Auf Instagram gibt es für jeden Geschmack und jedes Interessensgebiet interessante Inhalte. Instagram ist an sich zunächst wertfrei. Erst durch das, was wir konsumieren, erhalten die Inhalte eine förderlichen oder weniger förderliche Wirkung. Dies ist gleichzusetzen mit dem Fernsehprogramm. Jeder entscheidet selbst, ob er Inhalte einer Nudisten-Insel oder eine Reportage über die Schule der Zukunft in seinen Kopf lässt.

Spaßprogramm: Posen nachstellen

Wie „natürlich“ sind eigentliche manche Fotos? Für den Glamour-Effekt begeben sich Profis oft in unbequemste Körperhaltungen und absurdeste Posen. Dies können Eltern und deren Kinder ausprobieren und gemeinsam daran Spaß haben, indem sie interessante Fotos nachstellen und Situationen nachempfinden. Inspiration hierzu bietet beispielsweise das Profil der Schauspielerin Celeste Barber (@celestebarber), die mit ihren Instagram-Parodien auf Promi-Models Millionen von Followern begeistert.

Freundschaftsanfrage – bitte nicht!

Diese Abfuhr können sich Mama und Papa ersparen: Eltern sind als Follower bei ihren eigenen Kindern in der Regel nicht erwünscht. Die meisten Teenager wollen unter sich bleiben und ihre Welt von der der Eltern trennen. Dies sollte man respektieren und lieber nicht dem eigenen Kind auf Instagram folgen. Darüber hinaus sollten bei privat geschalteten Profilen keine Freundschaftsanfragen gestellt oder Bilder der eigenen Kinder geliked oder kommentiert werden.

Auf Gefahren hinweisen

Die Gefahr, dass Pädophile sich auf Instagram Freundschaften von Kindern erschleichen wollen, ist durchaus real. Eine wichtige Regel für Jugendliche ist daher: Auf keinerlei private Nachricht von unbekannten Personen reagieren. In Zweifelsfällen sollten die Eltern eine Beratungsstelle oder wenn es zu aufdringlich wird, gar die Polizei informieren. Durch die Anonymität des Kanals ist nicht auszuschließen, dass hinter dem vermeintlich 16-jährigen David eigentlich ein 56-jähriger Rolf steckt! Es ist ein Leichtes, sich auf Instagram ein Scheinprofil anzulegen. Eine beliebte Masche ist es z.B. sich ein gefälschtes Profil eines Prinzen oder einer sehr bekannten Persönlichkeit anzulegen und als solche mit dem Kind in Kontakt zu treten.

Über Kira Liebmann:

Kira Liebmann ist Deutschlands einzige Pubertät-Überlebens-Trainerin. Sie hilft Eltern, die Pubertät ihrer Kinder zu überstehen, ohne dabei wahnsinnig zu werden. Sie hält Vorträge an Schulen, gibt Seminare und coacht Familien.

Teenager lernen bei ihr, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, sich Ziele zu setzen und zu erreichen und somit die Hauptrolle in ihrem Leben zu spielen.

Eltern gibt sie den Stolz und die Freude am Erwachsenwerden ihrer Kinder zurück.

Regelmäßig neue Informationen rund um die Pubertät liefert Kira Liebmanns Podcast „Pubertät-Überlebens-Training on Air“. Neben konkreten Tipps und Experteninterviews kommen auch Familien mit ihren Erfahrungen zu verschiedenen Schwerpunkten rund um die Pubertät und angrenzenden Themen zu Wort.

www.kiraliebmann.de

Was findet mein Kind nur so toll an Instagram?
Foto: Kira Liebmann