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Herbstferien im Lausitzer Seenland

Über 150 Jahre lang bestimmte die Braunkohle das Leben in der Lausitz. Diese Epoche geht zu Ende. Die meisten Tagebaue sind bereits verschwunden. An ihrer Stelle laden heute klare Seen zum Baden, Boot- und Radfahren ein. In den Herbstferien haben Familien die Gelegenheit, in der faszinierenden Vergangenheit des jungen Urlaubsziels zwischen Berlin und Dresden zu stöbern, Rätsel zu lösen, den Erfinder des ersten Computers kennen zu lernen und sorbischen Sagengestalten zu begegnen.

Rätselradtour um den Geierswalder und Senftenberger See

Rote Haare, große Augen, breites Lächeln: Pit ist das Maskottchen des Lausitzer Seenlandes. Ob Bergmannskluft oder Neoprenanzug, immer macht er eine gute Figur. Neuerdings ziert Pit auch den Flyer zur neuen Rätselradtour, der in den Touristinformationen Senftenberg und Hoyerswerda erhältlich ist. Sie lädt Familien mit Kindern im Grundschulalter ein, den spektakulären Wandel vom Bergbaurevier zum Wasserparadies auf dem Drahtesel zu erleben. Die 37 Kilometer lange Tour führt um den Geierswalder und Senftenberger See.

An acht Stationen fordert Pit die Kinder auf, eine Rätselfrage aus dem Flyer zu beantworten. An markanten Orten wie einer Baggerschaufel oder einem Schleusenwärterhaus erfahren sie so spielerisch Wissenswertes zum Braunkohletagebau, zu abgebaggerten Orten und zur Flutung der Seen. Die Route verläuft entlang der flachen, autofreien Radrundwege um den Geierswalder und den Senftenberger See. Familien mit jüngeren Kindern können sie problemlos in zwei Etappen von 19 und 18 Kilometern aufteilen. Wer mit dem korrekt ausgefüllten Flyer in der Touristinformation Senftenberg oder Hoyerswerda vorbeikommt, erhält ein kleines Geschenk. Sechs Fahrradvermietungen am Senftenberger See verleihen Fahrräder und Anhänger.

Tipp für radbegeisterte Familien: Das Lausitzer Seenland ist ein Eldorado für Radfahrer. Hunderte Kilometer flache, meist autofreie und größtenteils asphaltierte Radwege verlaufen um die neuen Seen. Zu den spannendsten Touren gehört die 191 Kilometer lange Seenland-Route. Dazu hat Anbieter iba-aktiv-tours eine neuntägige Familienradreise inklusive Übernachtung und Gepäcktransfer im Programm, die auf Tagesetappen zwischen zwölf und 23 Kilometern um die schönsten Seen führt. Höhepunkt ist eine Floßfahrt auf dem Senftenberger See.

Lebendige Geschichte in der Energiefabrik Knappenrode

Während am Senftenberger und Geierswalder See nur noch wenig an die Bergbaugeschichte erinnert, wird sie in der Energiefabrik Knappenrode zum emotionalen Erlebnis. Der imposante Backsteinbau bei Hoyerswerda ist eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Deutschlands. Zwischen 1918 und 1993 wurde hier Rohbraunkohle getrocknet, gemahlen und zu Briketts gepresst. Schon 1994 öffnete die Anlage als Museum. In den letzten zwei Jahren war es wegen umfangreicher Umbaumaßnahmen geschlossen.

Am 16. Oktober öffnet es seine Türen wieder für Gäste. In der neuen Dauerausstellung wird die Entwicklung der Lausitz vom Braunkohlerevier zum Urlaubsparadies multimedial erzählt. Auch die alten Maschinen erwachen lautstark zum Leben. Ein Entdeckerkompass hält verschiedene Tourenvorschläge, darunter auch eine Familientour, durch die Fabrik und das 25 Hektar große Gelände bereit. Von einem barrierefreien Aufzug genießen Besucher einen fantastischen Rundumblick weit über das Lausitzer Seenland.

Tipp für wissbegierige Familien: Weitere Einblicke in die Bergbauvergangenheit bieten vom ansässigen Tourismusverband als familienfreundlich ausgezeichnete Museen. So startet man auf Schloss und Festung Senftenberg zur individuellen Ferienrätselralley durch Besucherbergwerk, historisches Klassenzimmer und Festungskeller. In der Ausstellung „Erlebnis – Bergbau – Seenland“ wird der Strukturwandel in der Lausitz erlebbar. Auch das Schloss und Stadtmuseum Hoyerswerda widmet sich in seiner interaktiven Ausstellung mit Hörstationen, Filmausschnitten und Mitmachangeboten der Regionalgeschichte.

Riesige Steine im Findlingspark Nochten

Um eine Tonne Braunkohle zu fördern, müssen in der Lausitz rund sieben Kubikmeter Abraum bewegt werden. Über die Jahre kamen so auch tausende Findlinge zum Vorschein, die mit den Gletschern der Eiszeit vor 10.000 Jahren aus Skandinavien in die Region gelangten. 7000 dieser Felsbrocken aus der Region wurden auf der rekultivierten Fläche eines Tagebaus zu einem der ungewöhnlichsten Landschaftsgärten Deutschlands arrangiert: dem Findlingspark Nochten.

Zu jeder Jahreszeit ist die Anlage mit ihren sieben Parkbereichen ein Erlebnis für alle Sinne. Im Oktober blühen Sommerheide, Herbst-Alpenveilchen, Herbstzeitlose, Herbstastern und Gräser. Familien können sich auch hier auf individuelle Rätseltour begeben, Steine erklettern, im Wüstenspielplatz kleine Schätze bergen oder den unglaublichen Weg der Findlinge in der Ausstellung „Eisig, riesig, spannend. Abenteuer Eiszeit“ nachverfolgen.

Auf Zeitreise durch die Welt der Computer im Zuse-Computer-Museum

Konrad Zuse (1910-1995) ist weltbekannt als der Vater des Computers, weniger bekannt ist seine enge Verbindung zur Lausitz. 1928 machte er in Hoyerswerda Abitur. Von der Bergbautechnik in den nahen Gruben war er fasziniert. „In Hoyerswerda gab es endlich auch eine technische, eine technisierte Umwelt“, sagte er. „Die großen Abraumförderbrücken gaben mir eine erste Vorstellung von einem automatisierten, technischen Zeitalter.“ 1941 entwickelte er die erste funktionsfähige, programmgesteuerte, frei programmierbare Rechenmaschine in binärer Gleitpunktrechnung – kurz: den ersten Computer.

Das ZCOM Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda erinnert in seiner interaktiven Dauerausstellung an den Erfinder und die Anfänge der Computerentwicklung. In den Herbstferien werden die Workshops „Bilder und Schablonen aus dem Laser Cutter“ sowie „Mikrocontroller für Anfänger“ für Familien angeboten. Darüber hinaus können Familienführungen gebucht werden. In der Museumsrallye finden Kinder auf eigene Faust heraus, wie Computer funktionieren.

Sorbische Bräuche und Sagen in der Krabat-Mühle Schwarzkollm

Die kulturelle Identität der Lausitz ist stark geprägt von den Sorben, einer westslawischen Ethnie, deren Siedlungsgeschichte in der Region bis ins frühe Mittelalter zurück reicht. Neben lebendigen Traditionen und farbenfroher Folklore verdankt ihnen die Region auch einen reichen Sagenschatz voller Magie und übernatürlicher Wesen. Eine der bekanntesten Figuren der sorbischen Mythologie ist der Krabat. Dabei handelt es sich um einen Zaubermeister, der mit seinen Künsten den Sorben in Notlagen half.

In der Krabat-Mühle Schwarzkollm wird die Sage, die durch Bücher von Ottfried Preußler und Jurij Brězan sowie eine Verfilmung bekannt wurde, zum Leben erweckt. Auf dem Gelände der abgebrannten Schwarzen Mühle entsteht durch das Engagement eines Vereins seit 2005 eine Erlebniswelt mit Mühle, Schauwerkstatt, Wanderherberge und Gastwirtschaft. Auf einem Erlebnispfad können sich Familien auf die Spuren der Sage begeben, die Schauwerkstatt gibt einen Einblick in sorbische Bräuche und in der Schwarzen Mühle wird das Müllerhandwerk anschaulich erklärt. In den Herbstferien wird ein Mitmachprogramm angeboten. Kinder können nach Voranmeldung für Igel einen Unterschlupf bauen, Laternen basteln und sich in der Schattenkunst ausprobieren.

Familienfreundliche Unterkünfte

Diese und weitere familienfreundliche Freizeiteinrichtungen erkennen Gäste am Label „Familienfreundlich im Lausitzer Seenland“, das der Tourismusverband Lausitzer Seenland vergibt. Neben 20 Freizeiteinrichtungen und -anbietern wurden bislang auch sechs Unterkünfte ausgezeichnet. Dazu gehören der Familienpark Senftenberger See, der Ferienhof Radlerslust, der Ferienhof Welz, das Strandhaus Eden, das Ferienhaus Glückseeligkeit und das Waldhotel Roggosen. Auf der Webseite www.lausitzerseenland.de können die Unterkünfte gebucht werden.