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Wohnstudie zeigt, wie Familien wohnen

Durch die Coronavirus-Pandemie hat sich unser alltäglicher Bewegungsradius drastisch verkleinert – ein Zuhause zum Wohlfühlen und ein funktionierendes soziales Wohnumfeld sind noch essenzieller geworden als je zuvor. Besonders komplex sind die Anforderungen bei Familien mit Kindern. Ihr Zuhause wurde auf einmal zu Arbeitsplatz, Schule, Kita, Versorgungszentrum, Sportstudio und Rückzugsraum in einem. Gut, wenn das Wohnumfeld dann von vornherein familiengerecht geplant ist und die meisten Bedürfnisse auf kleinem Raum abgedeckt werden können. Schon vor der Pandemie zeigten die Ergebnisse der repräsentativen Studie Happy Quest des Wohnprojektentwicklers Bonava, dass gerade Familien die Nähe zu Freunden und Verwandten sowie Orte für Begegnungen mit Nachbarn wichtig für ihr Wohnglück sind. Auch Gemeinschaftsflächen sowie Möglichkeiten für gemeinsame Gartenarbeiten stufen sie als relevanter für ihre Wohnzufriedenheit ein als Menschen ohne Kinder. Spitzenreiter der Wohlfühlfaktoren sind bei Familien, wie beim Rest der deutschen Befragten, Sicherheit, eine angenehme Atmosphäre und gut zu erreichende Einkaufsmöglichkeiten.
 
Eine enorme Abweichung zeigt sich dagegen, wenig überraschend, bei der günstigen Lage zu Schulen und Kitas. Mit 58 Prozent ist das den Familien fast doppelt so wichtig wie dem Durchschnitt der deutschen Befragten mit nur 31 Prozent.
 
Gut geplante Wohngebiete können demnach zur Zufriedenheit der dort lebenden Familien beitragen, indem sie neben einer guten Anbindung auch multifunktionale Gemeinschaftsbereiche zum Spielen, Gärtnern, Sport treiben und Entspannen anbieten.
 
Luft nach oben bei Einkaufsmöglichkeiten
Betrachtet man die Faktoren, die sich Familien für ihr Wohnumfeld wünschen, im Vergleich zu ihren derzeitigen Wohnsituationen, zeigen sich noch Verbesserungspotenziale. Mit acht Prozentpunkten Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist am meisten bezüglich der Lage zu Einkaufsmöglichkeiten aufzuholen. An zweiter Stelle der Verbesserungsmöglichkeiten stehen eine gute Atmosphäre und die Möglichkeit das eigene Wohnumfeld zu beeinflussen jeweils mit sechs Prozentpunkten vom Wunsch der Familien entfernt. Danach kommen mit fünf Prozentpunkten Abweichung gut erreichbare medizinische und soziale Einrichtungen.

„Den häufigen Wunsch nach einer günstigen Lage des Wohnumfeldes zu Einkaufsmöglichkeiten, medizinischer Versorgung, Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch nach nachbarschaftlichen Gemeinschaftsflächen haben wir bei der Grundstückssuche stets im Hinterkopf. Um zu erfahren, was wichtig und nötig ist, schauen wir uns die Gegebenheiten in der Umgebung an und sprechen mit Behörden und anderen Akteuren vor Ort, um ein Wohnumfeld zu schaffen, das kurze Wege und ein echtes Miteinander der Menschen ermöglicht”, sagt Sabine Helterhoff, Vorsitzende der Geschäftsführung von Bonava in Deutschland.
 
Meins, deins, unseres: Familien teilen gern
Der Trend zum Teilen und Helfen unter Nachbarn hat sich trotz oder gerade wegen der Corona-Beschränkungen der letzten Monate noch verstärkt. Es wurden Einkaufshilfen für Risikopatienten angeboten, Masken genäht und Dinge geliehen oder getauscht, die gerade durch Ladenschließungen und finanzielle Engpässe schwer zu bekommen waren. Das digitale Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de erlebte, wie sich mit Beginn der Corona-Krise die Neuanmeldungen verfünffachten und Hilfsangebote auf der Plattform die Nachfrage weit überstiegen.
 
Aber auch schon vor der Krise war die Bereitschaft zum Teilen von Dingen und Wohnflächen besonders bei Familien vorhanden, wie die Befragung Happy Quest zeigt. Ein Viertel aller Familien gab an, gern ein Fitnessstudio mit den Nachbarn zu teilen; fast genauso viele (24 Prozent) finden einen gemeinsamen Mehrzweckraum für soziale Aktivitäten gut. Auch dem Teilen von Werkzeugen (21 Prozent) oder einer ganzen Werkstatt (20 Prozent) stimmen viele Familien zu, gefolgt von Gärten (18 Prozent) und Unterhaltungsräumen, wie einem gemeinschaftlichen Spielzimmer für Kinder (18 Prozent). Nur ein Drittel der Studienteilnehmer aus Familien gab an, nichts mit den Nachbarn teilen zu wollen - beim Durchschnitt aller deutschen Befragten waren es fast zehn Prozent mehr.

Das Familien besonders gern teilen, kann auch Ina Remmers, Netzwerkgründerin von nebenan.de bestätigen: „Familien beherrschen das Teilen hervorragend, besonders, wenn es um Kindersachen geht: Kinder wachsen so schnell aus ihrem Spielzeug und ihren Kleidern heraus, dass es sinnvoller ist, diese weiterzugeben, als sie wegzuwerfen oder im Keller zu verstauen. Und die Weitergabe innerhalb des Wohnumfelds gibt einem das Gefühl, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun.”
 
Im Bonava-Projekt in Bonn-Beuel zeigt sich, dass aufs Teilen ausgelegte Wohnprojekte im wahrsten Sinne des Wortes fruchtbar sein können: Hier gibt es gemeinschaftliche Hochbeete und ein gemeinsames Gartenhäuschen, inklusive Werkzeugen und einem Tauschregal. „Wir wollen Angebote und Aktivitäten bieten, die die Bewohner in ihrem eigenen Zuhause nicht unterbringen können. Obst- und Gemüsebeete, Dachterrassen oder Homeoffice-Plätze können allen zur Verfügung stehen und den Alltag bereichern. Dadurch verstärkt sich die nachbarschaftliche Interaktion, die gute Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl”, sagt Bonava-Nachbarschaftsexpertin Emilia Almér Henßen. Eine positive Folge der Corona-Krise könne sein, dass trotz der neuen Normalität, Gemeinschaftsbereiche sowie Möglichkeiten zum Teilen und Helfen in Wohnumfeldern zunehmen und stärker genutzt werden.
 
Familien brauchen Platz zum Kochen und für soziales Miteinander
Bei der Happy Quest-Frage welche Faktoren hinsichtlich des Wohnraums am meisten zu einer guten Lebensqualität beitragen, sind sich Familien und Menschen ohne Kinder in folgenden Punkten einig: Knapp 80 Prozent sagen, die ruhige Lage ist am wichtigsten. Und mehr als zwei Drittel finden, ihr Zuhause sollte möglichst keine Einsehbarkeit für Nachbarn bieten. Beim Thema Küche gehen die Meinungen dagegen etwas auseinander: Mit 77 Prozent ist den Familien eine geräumige Küche, um zu kochen und gemeinsam Zeit zu verbringen, deutlich wichtiger als dem Gesamtdurchschnitt der Deutschen mit nur 65 Prozent. Und auch eine offene Raumaufteilung und Platz, um Gäste unterzubringen, stufen Familien mit je sieben Prozentpunkten wichtiger ein als die Gesamtheit der Befragten.
 
„Je nach Lebens- und familiärer Situation variieren die Ansprüche an ein Zuhause. Die Grundrisse unsere Häuser und Wohnungen können wir flexibel gestalten, sodass beispielsweise eine Variante mit einem zusätzlichen Gästezimmer oder wahlweise eine offene oder abgetrennte Küche entsteht”, so Emilia Almér Henßen.